Kloster und Kirchen
| Kirche Reutin |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Donnerstag, den 18. November 2010 um 17:40 Uhr |
Die Kirche "Zum guten Hirten" in ReutinDas Dorf Reutin erscheint in Urkunden zum ersten Mal im Jahr 1251 als Besitztum der dort ansässigen Herren von Reutin. Nach dem Aussterben dieses Ritter-geschlechts kam der Ort 1387 an das Kloster Alpirsbach. Spätestens von da an datiert die kirchliche Zugehörigkeit der Gemeinde Reutin zu Alpirsbach.
Schon im Jahr 1337 wird von einer Kirche berichtet, die den Hl. Antonius zum Patron hatte und ziemlich geräumig gewesen sein muß. Auch noch nach der Reformation wurde in dieser Kirche, wenn auch nicht regelmäßig, Gottesdienst gehalten. Da sie oft fahrendem Volk als Unterschlupf diente, wurde sie auf Anordnung des Dekans von Sulz verschlossen. Seit 1620 sei nie mehr Gottesdienst darin gehalten worden. Unter dem König Friedrich von Württemberg, der das ehemalige Klostergut einzog, wurde das Grundstück samt der Kapelle an einen Bauern veräußert, der die Kapelle im Jahr 1839 wegen Baufälligkeit an die bürgerliche Gemeinde zum Abbruch verkaufte. Diese verwendete die Steine zum Bau des im selben Jahr erstellten Schul- und Rathauses. Das Glöcklein mit der Jahreszahl 1502, das sich heute noch auf dem Schulhaus befindet, ist neben den „Käppeleswiesen" die letzte Erinnerung an die ehemalige Kirche. Für ein eigenes Gotteshaus war zunächst in Reutin kein Bedürfnis vorhanden. Die Gemeindeglieder besuchten sommers und winters den Gottesdienst in Alpirs-bach. Bis zum Jahr 1869 brachte man auch die Verstorbenen auf dem „Totenweg" zum Friedhof in Alpirsbach. Eigene Gottesdienste kamen in Reutin erst in diesem Jahrhundert wieder auf. Angefangen hat es im ersten Weltkrieg mit Kriegsbetstunden, die an den Sonntagnachmittagen im Wechsel mit Rötenbach im Schulsaal gehalten wurden. In den zwanziger Jahren waren es im Winterhalbjahr Bibelstunden. Nach der Einrichtung eines ständigen Vikariats kamen zu Anfang der dreißiger Jahre Predigtgottesdienste auf, die an den Sonntagnachmittagen oder -abenden stattfanden. Der zweite Weltkrieg mußte diese Entwicklung unterbrechen. Die Wiederbesetzung des Vikariats nach dem Krieg ermöglichte dann sogar, den Predigtgottesdienst von 1951 an sommers und bald auch winters auf den Sonntagvormittag zu legen. Ein Kindergottesdienst schloß sich schon seit 1932 an den Gottesdienst der Erwachsenen an. Der Schulsaal mit seinen niederen Stühlen und Tischen hatte aber doch etwas Befremdliches und Unbefriedigendes an sich und manche, besonders die männlichen Gemeindeglieder, konnten sich wenig damit befreunden und zogen den Gottesdienst in der Klosterkirche vor. Der Wunsch nach einem eigenen kirchlichen Raum meldete sich immer wieder. Zum ersten Mal setzte der Kirchengemeinderat im Jahr 1941 einen Betrag in den Haushaltsplan ein zur Schaffung eines Baufonds. Die auf diese Weise angesammelten Mittel reichten freilich nach der Währungsreform nirgends hin. Bei der dekanatamtlichen Visitation im Jahr 1956 kam die Sprache wieder auf das Vorhaben. Der Kirchengemeinderat ließ den Bau eines Kirchleins in Reutin in die Liste der Bauvorhaben des Kirchenbezirks aufnehmen, was die Voraussetzung war für den Abschluß eines Bausparvertrags. Von ausschlaggebender Bedeutung aber war die Erklärung von Kirchengemeinderat Johannes Bühler, den Baugrund für das zu erstellende Kirchlein zu stiften. Ein geeigneterer Platz hätte sich kaum finden lassen, an der Hauptstraße gelegen, dazu in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Kapelle. Im Jahre 1961 lief die Planung durch den Architekten Dipl.-Ing. Wizgall von Reutlingen an. Mehrere Kirchen in der weiteren Umgebung, die von ihm erbaut worden waren, wurden besichtigt. Am 7. März gab der Kirchengemeinderat seine Zustimmung zum dritten Entwurf des Architekten. Am 20. Mai traf die Baugenehmigung des Oberkirchenrats ein und am 25. September wurde mit den Bauarbeiten durch die Firma Heinzelmann-Alpirsbach begonnen. Schon am 14. Oktober konnte die Grundsteinlegung durch Dekan Rapp stattfinden. In der Urkunde hat die Kirche den Titel „Zum Guten Hirten" bekommen. Am 10. Dezember folgt die Aufrichtung des Dachstuhls. Mit der Zeit gingen auch die Spenden ein. In den Gemeinden des Kirchenbezirks wurde ein Sonntagsopfer bewilligt. Die bürgerliche Gemeinde Reutin stellte eine kräftige Beihilfe in Aussicht. Gemeindeglieder von Reutin brachten Opfer. Aber auch von Alpirsbach und Rötenbach kamen die Gaben. Den höchsten Ertrag brachten drei Bazarveranstaltungen, zu denen die Familie Mäder die „Krone" bereitwillig zur Verfügung stellte. Nach Wochen banger Sorge konnte schließlich am 2. Adventssonntag, dem 9. Dezember 1962, die Einweihung stattfinden. Während es draußen stürmte und regnete, hielt Prälat Pfeifle von Reutlingen einer die Kirche bis auf den letzten Platz füllenden Gemeinde die Weihepredigt. Erst zum 3. Advent des folgenden Jahres konnte das von Familie Brenner in Alpirsbach gestiftete und von Bildhauer Hemmeter aus München geschaffene Kruzifix aufgerichtet werden. Der Künstler hat versucht, dem Titel der Kirche „Zum Guten Hirten" gerecht zu werden. So geläufig uns der Gedanke an den „guten Hirten, der sein Leben läßt für seine Schafe" von Bibel und Gesangbuch her ist, ihm in bildlicher Darstellung Ausdruck zu geben ist wohl kaum versucht worden. So hat sich der Künstler darauf beschränkt, nicht so sehr den leidenden und sterbenden als den einladenen Christus darzustellen, der noch als Gekreuzigter wie ein Hirte seine Herde weidet und die Arme nach ihr ausstreckt, als wollte er sagen: Kommet her zu mir! Das ist dem Künstler vorzüglich gelungen. Als der Kirchengemeinderat noch beschloß, das im Jahre 1943 für den Kapitelsaal angeschaffte und dort nicht mehr unbedingt benötigte Positiv in der Kirche in Reutin aufzustellen und dieses Instrument am 13. März 1965 dort zum ersten Male den Gemeindegesang begleitete, waren alle Ansprüche erfüllt, die eine Gemeinde an eine Kirche stellen kann. Glocken waren von Anfang an drei vorgesehen. Da das Glöcklein der früheren Kapelle auf dem Schulhaus bleiben sollte, wollte die bürgerliche Gemeinde die Kosten für die mittlere, die es-Glocke, übernehmen. Zufällig ergab sich die Möglichkeit, von der Kirchengemeinde Schopfloch bei Kirchheim eine es-Glocke, die dort überflüssig wurde, zu kaufen, so daß um den für einen Neuguß einzusetzenden Betrag zugleich die kleine ges-Glocke beschafft werden konnte. Diese wurde am 4. Dezember 1962 in der Glockengießerei Bachert-Kochendorf gegossen und traf mit der mittleren Glocke drei Tage vor der Kirchweih in Reutin ein. Die neue Glocke, eine Heilig-Geist-Glocke, trägt das Taubensymbol und die Inschrift: Komm, Heiliger Geist — Reutin 1962. Die von Schopfloch stammende, eine Christus-Glocke, erhielt eine neue Inschrift: „Er ist unser Friede" mit dem Monogramm Christi. Die große, noch fehlende des-Glocke soll eine Vater-unser-Glocke werden und 230 kg schwer sein. Möge sie bald ihre Stimme mit der der beiden Schwestern vereinen!
Grundsteinurkunde der Kirche Zum Guten Hirten Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. In nächster Nähe des Platzes, auf dem eine schon im Jahr 1337 erwähnte Kapelle zum Heiligen Antonius stand, die jedoch im Jahr 1838 abgebrochen, ihre Steine zum Bau des Schul- und Rathauses geben mußte, legen wir am Samstag vor dem Kirchweihfest den Grundstein zu dieser Kirche, die dem Guten Hirten geweiht sein soll.
Nachdem bereits seit Jahrzehnten jeden zweiten Sonntag Gottesdienst im Schulhaus abgehalten wird und Wunsch und Bedürfnis der Gemeindeglieder von Reutin nach einem eigenen Gotteshaus sich immer deutlicher melden, auch der Besitzer dieses Grundstücks, Landwirt und Kirchengemeinderat Johannes Bühler, in frommer Weise den Baugrund hierfür und andere Gemeindeglieder Geldmittel und Holz gestiftet haben und unsere Evangelische Landeskirche einen nicht geringen Beitrag zu den Baukosten leistet, unternimmt die Kirchengemeinde Alpirsbach diesen ihren ersten Kirchbau seit ihrem Bestehen. Gott der Herr lasse sich unser Werk in Gnaden gefallen und mache dieses Gebäude von Stein, das wir errichten, zu einem Brunnen, daraus das Wasser des Lebens allezeit reichlich quillt. Er sammle durch sein an diesem Ort gepredigtes Wort seinem Sohn, unserem einigen Guten Hirten Jesus Christus, eine Herde, die Er zur grünen Aue des Evangeliums führe, sooft sie hier zusammenkommt. Er baue durch seinen werten Heiligen Geist, den wir einmütig anrufen, uns, unsere Kinder und Kindeskinder zu lebendigen Steinen seines geistlichen Hauses, das währt und bleibt, auch wenn dereinst von dieser Kirche kein Stein mehr steht. Gesegnet seien, die in diesem Hause ein- und ausgehen von Geschlecht zu Geschlecht. Der Herr lasse sie in seinem Hause wohnen ewiglich. Reutin, im Jahre des Heils eintausendneunhundert und einundsechzig, Dekan Ernst Rapp
Kirchengemeinderäte: Georg Albrecht, Johannes Bühler, Jakob Kilgus, Karoline Köbele, Paul Mäntele, Otto Müller, Karl Pfau, Otto Schmidtke, Manfred Schuster, Karl Schwab, Christian Walter, Willi Widmer.
(Anmerkung der Redaktion: Dieser Text stammt aus dem Jahr 1966) |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 25. November 2010 um 17:18 Uhr |
Kirche Reutin


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