Kloster und Kirchen
| Kirche Rötenbach |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Donnerstag, den 18. November 2010 um 17:41 Uhr |
Die Ambrosius-Blarer-Kirche in Rötenbach
Wenn auch Rötenbach, das bis 1939 eine selbständige bürgerliche Gemeinde bildete, nur 2 km von Alpirsbach entfernt liegt und kirchlich von jeher nach hier gehörte, scheint es doch wenig wahrscheinlich, daß der Ort nicht im Mittelalter wie Reutin eine eigene Kapelle besessen hätte. Allerdings fehlen irgendwelche Spuren von ihr. Sie müßte schon bald nach Einführung der Reformation abgetragen worden sein. Die evangelischen Bewohner von Rötenbach hatten jedenfalls von Anfang an den Gottesdienst in der Kirche des Mutterorts zu besuchen und trugen auch ihre Toten bis 1887 auf dem Alpirsbacher Friedhof zu Grabe. Von da an kam der Pfarrer dann außer zum Unterricht und den nicht seltenen Privatkommunionen auch noch zu den Beerdigungen nach Rötenbach. Aber das wurde verständlicherweise noch immer als unzureichend empfunden. Der Weg von Rötenbach zur Kirche war zwar nicht so beschwerlich wie der von Reutin, doch war mindestens in der kalten Jahreszeit ein Besuch in der ungeheizten Kirche gefährlich. So beschlossen im Jahr 1913 die bürgerlichen Kollegien des auf 630 Einwohner angewachsenen Orts, „bei Stadtpfarrer Schmid in Alpirsbach und Hauptlehrer Buck hier anzufragen, ob sie in der Lage und bereit seien, der kirchlich unversorgten Gemeinde zu einiger sonntäglicher Erbauung unentgeltlich behilflich zu sein, und im Bejahungsfall die höhere Genehmigung zur Einführung von Bibelstunden einzuholen."
Gottesdienstraum im alten Gemeindehaus
Daraufhin fanden zunächst winters alle zwei bis drei Wochen an den Sonntagnachmittagen um 4 Uhr in der Schule Bibelstunden statt. Während des Kriegs wurden sie als Kriegsbetstunden gehalten. Aber erst im Jahre 1927 verhalfen zwei bedeutsame Ereignisse zur Weiterentwicklung. Das eine ist die Errichtung eines ständigen Vikariats. Das andere der Kauf des Anwesens des verstorbenen „Wäldebauern" Johannes Franz. In seinem Haus hatte seit Jahren eine kleine Gemeinschaft ihre „Stunde" gehalten. Es war darum gewiß im Sinn des kinderlos verstorbenen Ehepaares, wenn die Kirchengemeinde Haus und Grundstück um 8000 M kaufte, „behufs späterer Erbauung eines eigenen Kirchleins". Am 10. Juni 1928 wurde das Haus seiner Bestimmung als „Gemeindehaus" feierlich übergeben. Von da an wurde außer der Bibelstunde im Wechsel mit Reutin auch Sonntagsgottesdienst gehalten. Ein Kindergottesdienst kam hinzu. Lange fanden die Sonntagsgottesdienste nachmittags oder abends statt, erst Ende der fünfziger Jahre auch vormittags im Anschluß an den Gottesdienst in der Klosterkirche. Der Gottesdienstraum befriedigte aber je länger je weniger. Da man im Hinblick auf einen Kirchen- oder Gemeindehausneubau schon immer von durchgreifenden baulichen Instandsetzungen abgesehen hatte, wurde das Haus immer baufälliger und verlangte schon aus baupolizeilichen Gründen nach einem Neubau.
Altes Gemeindehaus
Im Dezember 1962 war die Kirche in Reutin eingeweiht worden. Im Januar 1963 wurde mit der Planung für die Kirche in Rötenbach begonnen. Im Januar 1964 wurde innerhalb weniger Tage das alte Haus abgebrochen, nachdem am 19. Januar der letzte Gottesdienst gehalten worden war. Die Baupläne des vom Oberkirchenrat empfohlenen Architekten Stenzel aus Musberg ließen lange auf Genehmigung warten. Endlich am 14. August 1964 wurde die Genehmigung zum Bau einer Kirche und einer Vikarswohnung gegeben. Am 28. September wurde mit den Ausgrabungen durch die Firma Hermann begonnen. Und am 13. November 1964 konnte die Grundsteinlegung stattfinden, bei der die Kirche den Titel Ambrosius-Blarer-Kirche erhielt, im Hinblick auf den 400. Todestag des früheren Alpirsbacher Priors und nachmaligen Reformators, den die Gemeinde wenige Tage später feierte.
Die Grundsteinurkunde hat diesen Wortlaut: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Vertrauen auf das Erbarmen Gottes und die Liebe Christi und den Beistand des Heiligen Geistes legen wir am heutigen Tag im Jahre eintausend neunhundert und vierundsechzig nach der Geburt unseres Herrn den Grundstein zum Bau einer evangelischen Kirche im Gemeindebezirk Rötenbach.
Feier der Grundsteinlegung am 13. November 1964
Bereits im Jahre 1927 hat die Kirchengemeinde Alpirsbach Anwesen und Grundstück der verstorbenen Eheleute Johannes Franz und Christine geb. Pfau käuflich erworben in der Absicht, darauf zu gegebener Zeit eine Kirche zu bauen. Vom folgenden Jahre an wurde in diesem Bauernhaus regelmäßig, zuletzt alle vierzehn Tage, Sonntagsgottesdienst gehalten, bis es im Januar dieses Jahres abgebrochen werden mußte. Nun soll an derselben Stelle, wo vormals das alte Haus gestanden, die Kirche erbaut werden, zugleich mit einem Wohnhaus für den Vikar, der von da an seinen Sitz in Rötenbach nehmen wird. Daß wir den Bau dieser Kirche zwei Jahre nach der Einweihung der Kirche in Reutin in Angriff nehmen können, ermöglichen neben großen und kleinen Stiftungen und Gaben unserer Gemeindeglieder ein erheblicher Beitrag der Landeskirche sowie Beihilfen des Kirchenbezirks und der bürgerlichen Gemeinde Alpirsbach. Nach dem Beschluß des Kirchengemeinderats soll diese Kirche dem Gedächtnis von Ambrosius Blarer gewidmet sein, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum vierhundertsten Male jährt. Er hat zu seiner Zeit der Gemeinde am hiesigen Ort als erster das Evangelium gepredigt, wie es durch den Reformator D. Martin Luther neu ans Licht getreten war, und hat später in höherem Auftrag für die Einführung der Reformation in Württemberg gewirkt. Seiner werde von dieser Gemeinde auch in Zukunft in Dank und Ehren gedacht. Vor allem aber möge in dieser Kirche das Zeugnis des reinen Evangeliums nimmermehr verstummen und sich unter dem Wirken des Heiligen Geistes an dieser Stätte eine Gemeinde um Wort und Sakrament allezeit sammeln, bis der Herr seine Kirche als eine geschmückte Braut heimführen wird in seinen himmlischen Freudensaal. Bis dahin wollen wir und unsere Nachkommen uns die Bitte des ehrwürdigen Reformators unserer Württembergischen Kirche angelegen sein lassen: Ach Herr, um deines Namens Ehr, halt uns in Fried bei deiner Lehr, Alpirsbach-Rötenbach am 13. November 1964 Ernst Rapp, Dekan i. R.
Wolfgang Bräuer, Johannes Bühler, Jakob Kilgus, Karoline Köbele, Paul Mäntele, Karl Pfau, Otto Schmidtke, Manfred Schuster, Karl Schwab, Christian Walter, Willi Widmer, Kirchengemeinderäte.
Daß auch dieser zweite Kirchbau nicht ohne unliebsame Überraschungen vor sich ging, versteht sich fast von selbst. Eine sehr angenehme Überraschung aber war die Opferwilligkeit vieler Gemeindeglieder, namentlich auch von Rötenbach selbst. Ihr ist es zu danken, daß wir in dem schlanken, 39 m hohen Kirchturm gleich zur Einweihung drei Glocken aufhängen können: die 425 kg schwere A-Glocke, Die große Glocke trägt ein Symbol des Glaubens und hat die Inschrift: Habt Glauben an Gott! Die mittlere mit einem Symbol der Liebe und der Inschrift: Wandelt in der Liebe! Die kleine zeigt das Ankerkreuz als Zeichen der Hoffnung. Dabei stehen die Worte: Seid fröhlich in Hoffnung! Diese letztere ist von Familie Brenner in Alpirsbach gestiftet worden. Als besonderes Schmuckstück erhielt die Kirche über dem Altar ein Relief des Bildhauers Hans Dieter Bohnet, das die Herabkunft des Hl. Geistes auf die Pfingst-gemeinde darstellt. Der Gedanke an das herrliche Pfingstlied von Ambrosius Blarer „Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell . . ." hat dieses Motiv nahe gelegt, zugleich mit der Hoffnung, die Kirche zu Pfingsten 1966 einweihen zu können. Wir versprechen uns auch von dieser neuen Kirche, die mit dem Vikarshaus und dem Kindergarten nun das Rötenbacher Gemeindezentrum bildet, und von den allsonntäglichen Gottesdiensten, die künftig auch dort gehalten werden, einen neuen Auftrieb des geistlichen Lebens der dortigen Gemeinde. Wir hoffen vor allem, daß das heranwachsende Geschlecht den Weg zu dieser Kirche finde und in ihr eine Heimat entdecke.
(Anmerkung der Redaktion: Dieser Text stammt aus dem Jahr 1966) |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 25. November 2010 um 17:16 Uhr |
Kirche Rötenbach


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