Die Baugeschichte des Klosters
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1 Klosterkirche 2 Infozentrum 3 Klosterbereich 4 Museum für Stadtgeschichte |
Die heutige Klosteranlage dokumentiert aufschlußreich ihre geschichtliche Entwicklung in monastischer und nachreformatorischer Zeit. Der Weggang der Benediktinermönche hat trotz aller Änderungen erst mit den neuzeitlichen Anforderungen ab dem letzten Jhd. stärkere Eingriffe mit sich gebracht. Bis dahin deckten einige Neubauten die zusätzlichen Bedürfnisse. Ansonsten wurden die Baulichkeiten des ehem. Klosters umgenutzt und teilweise im Stile der Zeit den neuen Anforderungen angepaßt. So blieb auch bei manchen Veränderungen doch die Struktur der Gesamtanlage weitgehend unberührt. Das Klostermodell im Informationszentrum, welches den baulichen Zustand zu Beginn des 19 Jhd. festhält, legt hiervon Zeugnis ab.
Mit Änderung des rechtlichen Status begann sich das vorhandene Gesamtbild jedoch schnell zu ändern. Wesentliche Flächen der bisherigen Ökonomie und Verwaltung innerhalb der Umfassungsmauern wurden verkauft und in die Struktur der Gemeinde integriert. Der Bau der Eisenbahnlinie und der Straße vor der südl. Klausurfront hat dazu beigetragen, daß das südl. Torhaus und der romanische Fruchtkasten mit seinem eindrucksvollen Quadermauerwerk und der nebenstehende, sog. Werkbau, verloren gingen. Schon zuvor hatte man die bis dahin noch im wesentlichen intakte Umfassungsmauer abgebrochen.
Die bauliche Entwicklung ließ im Westen und Nordwesten weitere ehem. Wirtschaftsgebäude durch neue Strukturen überlagern, so daß von der Originalsubstanz hier kaum mehr ein Eindruck vermittelt werden kann. Das Bier, welches aus dem so berühmten Quellwasser heute auf einem Teil des ehem. Klosterareals gebraut wird, kann über die Verluste kaum hinwegtrösten. Zuletzt wurde die ehem. Klosterküferei durch einen Neubau vor wenigen Jahrzehnten ersetzt. So erinnern neben der Klausur und dem Turm der Leutkirche im wesentlichen nur noch die Burg der Vögte gegenüber der Westfront, dem Zentrum einer Wasserburg des 13. Jhd. auf dem heutigen Brauereiareal an das ehem. Kloster. Aus der Zeit des Klosteramtes nach der Reformation sind die alte Oberamtei, welche den westlichen Vorplatz des Klosters mitbestimmt, und das direkt daneben liegende ehem. Kameralamt nach vielen Umbauten als klösterlicher Bauten erhalten. Auch das heutige Rathaus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts mit Arkaden im Erdgeschoß und das sog. "Schlössle" am Ambrosius-Blarer- Platz aus dem Beginn des 18. Jhd. entstanden im Zuge der protestantischen Klosterverwaltung.
Trotz all dieser Verluste im Umfeld stoßen wir in Alpirsbach auf eine fast vollständig erhaltene Klausur, die Einblicke in einen mittelalterlichen Klosterorganismus und die Entwicklung des Konvents über viele Jahrhunderte auf selten gute Art und Weise gibt. Der Grundriß der Klausur wurde in Anlehnung an das benediktinische Klosterbauschema mit Merkmalen der Reformklöster clunyazensischer Prägung einheitlich ab dem 12. Jahrhundert festgelegt und die Bauten im Anschluß an die ost/west- orientierte Kirche und mit dem Kreuzgang als Zentrum errichtet. Entsprechend dieser Tradition finden sich im Osten, im Anschluß an das Querschiff der Kirche der Dormentbau mit dem Schlafraum im Obergeschoß und den Arbeits- und Aufenthaltsräumen der Mönchsgemeinschaft mit dem Kapitelsaal, dem Parlatorium/Auditorium und der Frateria, (ehem. Kamera) im Erdgeschoß.
Im Süden schließt sich das Kalefaktorium und das Refektorium mit der Küche an. Der entsprechende Kreuzgangflügel war durch die Positionierung des Brunnens bestimmt.
Im Westen liegt mit dem großen Vorratskeller und dem Pfortenzugang in die Klausur die Verbindung zur Außenwelt. In später klösterlicher Zeit wurde hier auch der Abtswohnsitz in Nachbarschaft der Vogtei lokalisiert, von welchem heute noch die Räume im Obergeschoß Zeugnis ablegen.
Die Baugeschichte der Klausur ist geprägt durch den Wandel in den stilistischen Auffassungen und eine Vielzahl funktionaler Anpassungen an unterschiedliche Bedürfnisse der Mönchsgemeinschaft sowie der nachreformatorischen Gesellschaft mit ihren jeweiligen wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten.
Die ältesten Teile gehen auf die Periode im Anschluß an die Gründung zurück. Sie sind durch eine Formensprache im Kanon der clunyazensischen Reformbenediktiner im romanischen Stil gehalten. Die Klosterkirche ist noch ganz dieser Tradition verpflichtet. Die ehemals doppelstöckige, dreischiffige Anlage der Vorhalle dokumentiert sich heute allerdings nur noch in der Westfassade der Kirche und den Emporenöffnungen der Kapelle darüber zu ihrem Innenraum. Die späteren Umbauten, von welchen auch die Bildnisreliefs auf der Außenseite berichten, lassen das verfolgte Konzept nur noch erahnen. Das romanische Stufenportal gehört mit seinem Tympanon zu den wichtigsten Zeugnissen spätromanischer Bauplastik Südwestdeutschlands. Es führt durch ein Tor mit prächtigem bronzenem Beschlagwerk in den Kirchenraum.
Hoch ragt die dreischiffige, siebenjochige Säulenbasilika mit Flachdecke über dem Grundriß eines lateinischen Kreuzes auf. Die Innenraumproportion ist durch die konsequente Verfolgung des gebundenen Systems, welches auf dem Vierungsquadrat aufbaut, bestimmt. Die ausgeschiedene Vierung, die großen Querschiffarme und die Anlage eines 3-teiligen Presbyteriums in Verlängerung der Kirchenschiffe prägen den Ostteil. Besondere Aufmerksamkeit verlangen die drei ausgemalten Konchen in der Hauptapsis mit galerieartig darüber liegendem Altar, welcher ehemals von der Nordseite über eine Brücke durch eine dort noch bestehende Öffnung erschlossen war. In den Querschiffen und den verändert überkommenen Nebenchören in Verlängerung der Seitenschiffe sind, ganz dem reformclunyazensischen Chor- und Altardienstverständnis folgend, noch weitere Altarstandorte nachgewiesen. Über den Nebenchören waren jeweils, wie wir dies von der ehemaligen Hirsauer Prioratskirche Klosterreichenbach kennen, Türme geplant. Nur einer kam jedoch schließlich im Norden zur Ausführung. Eine an dieser Stelle recht seltene Empore öffnet sich im Norden gegen das Presbyterium. Ihre ehemalige Funktion und Ausprägung lassen sich heute durch die erfolgten Änderungen kaum mehr nachvollziehen.
Die Ergebnisse der Bauforschung legen nahe, daß die romanische Kirche an die Nebenchöre angelehnt, gegen Nord und Süd weitere Anbauten zur Aufnahme von Altären hatte. Südlich wurde der Raum Anfang des 13. Jhd. im sogen. Übergangsstil Maulbronner Prägung eingewölbt und dient bis heute als Sakristei. Im Norden ging der Bau bis auf wenige Spuren verloren.
Auch wenn die Kirche und die Anlage wesentlicher Teile der erhaltenen Klausur noch aus dieser ersten Bauphase entstammen, ist letztere doch weitgehend durch die gotischen Umbauphasen bestimmt. Der aufmerksame Betrachter erkennt jedoch nicht nur in den im Kreuzgang bauarchäologisch freigelegten Doppelarkaden des Kapitelsaals Spuren dieser Zeit, sondern in fast allen Bereichen der Außen- und Binnenmauern. Die Veränderungen der originären Substanz lassen sich schwerpunktmäßig in die Mitte des 14. Jhd. unter Abt Brun von Schenkenberg im Westen der Klausur und das späte 15. Jhd. unter Abt Hieronymus Hulzing in den übrigen Bereichen datieren. In diese letzte große Phase fällt auch die arkadenartige Öffnung der südlichen Seitenschiffwand und die galerieartige Integration des aufgestockten Kreuzganges in den Kircheninnenraum. Die funktionale Zielsetzung dieser Maßnahme ist bisher abschließend nicht geklärt. Schon damals könnte jedoch die Intension der Schaffung eines Orgelstandorts, aber auch die bessere Verbindung der Klausurflügel und evtl. die Schaffung einer Studierbibliothek eine Rolle gespielt haben.
Auch der heutige Aufgang ins Dorment im südlichen Querschiff ist zeitlich entsprechend einzuordnen. Er hat vermutlich eine romanische Treppe vom östlichen Kreuzgang ausgehend ersetzt. Während der in seinem Umgang mit dem Vorhandenen beachtliche Umbau der romanischen Apsis mit den großen mehrbahnigen Maßwerkfenstern und dem spätgotischen Rippengewölbe wohl etwas früher zu datieren ist, erfolgten die Arbeiten im seitlichen Nebenchor mit Abbruch der romanischen Apsis und dem Einbau eines Sternrippengewölbes in der sogen. Sulzer Kapelle erst zu Beginn des 16. Jhd.
Die Baugeschichte des Westbaus wurde nicht zuletzt durch die im Hinblick auf das Klosterjubiläum 1995 durchgeführten Untersuchungen und Maßnahmen erschlossen. Im Cellarium baute man die mächtigen Holzstützen und Teile der Balkenlage darüber unter Abt Brun von Schenkenberg ein, nachdem man den Boden auf heutiges Niveau brachte. Im Zusammenhang standen diese Maßnahmen mit dem Einbau des großen Saales im Obergeschoß, welcher vielleicht zunächst als Refektorium in Ersatz eines Raumes im Südbau gedacht war. Er zeigt sich heute nach außen durch ein eindrucksvolles Wappenfries und große Rechteckfenster, welche leider ihr Maßwerk verloren haben. Im Innern deutet ein Wasserbecken auf die vermutete Funktion hin.
Die Aufstockung auf heutige Höhe erfuhr der Westbau in der zweiten gotischen Umbauphase, nachdem die Bedürfnisse des Abtes und höher gestellter Konventualen ein erweitertes Raumangebot benötigten. Die Abtswohnung erstreckte sich nun im nördlichen Bereich über zwei Geschosse. Jedes erfuhr durch den Anbau des gotischen Erkers, welcher heute nur im 1. OG erhalten ist, eine Erweiterung. Die Räume erhielten in dieser Zeit ihre spätgotische Ausstattung und Ausmalung. Der Saal konnte nun alleine den repräsentativen Aufgaben des Abtes dienen, nachdem im Südflügel ein neues Refektorium geschaffen wurde. Leider ist durch die in nachklösterlicher Zeit gegebene Wohnungsnutzung viel verloren gegangen. Die wenigen Reste werden nun im Zuge der aktuellen denkmalpflegerischen Maßnahmen gesichert. Sie geben den Rahmen für das Klostermuseum. Der durch spätere Umbauten in seiner Größe und Erscheinung reduzierte Saal hat als Versammlungsraum der kath. Kirchengemeinde seine heutige Bestimmung erhalten und ist so für Besichtigungen nur beschränkt zugänglich.
Das gegen Ende des 15. Jhd. im 1. OG des Südbaues, vermutlich oberhalb des romanischen Raumes, geschaffene Refektorium, wird durch eine leicht gekrümmte, farblich gefaßte Bohlenbalkendecke bestimmt. Es liegt im Anschluß an die ehemals im Erdgeschoß der Südwestecke lokalisierte über zwei Geschosse reichende Küche, wurde von dort jedoch recht umständlich über eine Treppe und einen Verbindungsgang erreicht. Die letzten Reste des Küchenbaus gingen bei einem Brand in diesem Bereich der Klosteranlage im letzten Jahrhundert verloren. Auch die Gestalt des Refektoriums läßt sich heute nur noch schwer nachvollziehen. Die Umbauten der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts eliminierten die Geschoßdecke zum Erdgeschoß, sodaß zu Gunsten eines größeren Kirchenraums für die kath. Kirchengemeinde die historische Raumsituation völlig entstellt wurde. Auch die Ausstattung mit geprägten Tonfliesen und der mächtige steinerne Ofenbaldachin in der Nord - Ost - Ecke fielen der Maßnahme zum Opfer. Ein vergleichbarer Refektoriumsraum ist uns im Kloster St. Georgen in Stein am Rhein erhalten geblieben. Der Hinterlader Ofen des Refektoriums wurde vom neben liegenden Raum, der heute als Kalefaktorium entsprechend der vermuteten ursprünglichen Nutzung bezeichnet wird, beheizt. In gotischer Zeit hatte man jedoch das evtl. vorhandene System der Warmluftbeheizung dieses Raums über eine Heizkammer, wie wir es z. B. in Maulbronn noch recht gut nachvollziehen können, aufgegeben, nachdem in Deckenebene Umbauten erfolgten. Seine Ausmalung mit Renaissance- Architektur - Malerei hat der Raum zusammen mit der letzten Dekorationsphase des Dorments erfahren, wobei die restauratorischen Maßnahmen hier Zweifel an der Authentizität aufkommen lassen.
Auch im Südflügel wurde der Kreuzgang über den romanischen Fundamenten in gotischer Form neu aufgebaut und aufgestockt, um im Geschoß darüber vermutlich eine gute Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westbau ohne Störung des Refektoriums zu erhalten.
Der Ostflügel hat im 15. Jhd. bei weitgehend unveränderter Funktion Umbauten in Anlehnung an neue Ansprüche und das formale Empfinden erfahren. Der vorher großräumige Dormentbereich wurde in zwei Abschnitten, im Süden beginnend, in Einzelzellen mit breiter Flurzone unterteilt. Die jetzt eingezogenen Fachwerkwände sind zeittypisch gefaßt, wobei die südlichen Bereiche eine rote Vorfassung mit aufgemalter Mauerwerksimmitation zeigen. Bestimmend sind die Eselrückentüren, die zu den Einzelzellen führen. Es kann davon ausgegangen werden, daß der Flur - wie für einige Bereiche belegt - eine Holzpaneeldecke besaß, wie wir sie auch in den Zellen finden.
Ihre Ausmalung ist durch eine vermutlich etwas frühere Sichtfachwerkfassung, welche auch über die Massivteile hinweggezogen ist, und eine zweite, mit Renaissance - Motiven spielende Ausmalung bestimmt. Die Fassungen, welche teilweise den Charakter von Kritzeleien haben, entsprechen nicht einem einheitlichen Formenkanon, sondern sind eher von der Individualität der jeweiligen Bewohner katholischer und protestantischer Zeit bis in das 17. Jhd. hinein geprägt. Zusammen mit Funden aus den Deckenzwischenräumen haben diese Informationen in den letzten Jahren zu wichtigen Aufschlüssen zum Leben in Alpirsbach um 1600 geführt. Auch die steinernen Lesebänke in den Fensternischen und die einfachen Wandregale vermitteln anschaulich den meditativen und asketischen Lebensstil.
Mit der Aufstockung des auch an dieser Stelle neu erbauten gotischen Kreuzganges war es möglich, auch hier Zellen unterzubringen. Man durchbrach deshalb die ehemalige Außenwand und setzte spitzbögige Gewände ein. Den Niveauunterschied überbrücken einige Stufen. Die ehemals im Bereich der heute noch vorhandenen Schwellen durch Fachwerkwände geteilten Zellen oberhalb der Kreuzganggewölbe zeigen ebenfalls Fassungen, die man als spätmittelalterliche Graffiti bezeichnen könnte. Der im Süden winkelförmig erweiterte breite Flur besitzt am Ende einen ehemaligen Ausgang, welcher über eine Verbindungsbrücke zu einem anschließenden, als Kornspeicher überlieferten romanischen Baukörper führte. In diesem Bereich dürfen wohl auch die ehemaligen Latrinen vermutet werden. Am gegenüberliegenden Ende des Flures führte nun nach den gotischen Umbauten die Treppe direkt in den Chor der Klosterkirche. Die direkte Verbindung zum Kreuzgang aus dem Dorment - wie in romanischer Zeit - wurde jedoch nicht völlig aufgegeben, sondern folgte nun über die versetzte Ebene des beschriebenen Raumes vor dem Refektorium, der wegen dieser Durchgangsfunktion auch eine heute nicht mehr existente Unterteilung erhielt. Von hier aus erreichte man die von der monastischen Gemeinschaft genutzten Räume im Erdgeschoß des Ostbaues.
Der östliche Kreuzgangflügel erschließt den ehemaligen Kapitelsaal und das Parlatorium/Auditorium. Auch wenn beide Räume heute nach verschiedenen Umbauten entstellt und nach dem Wegfall der historischen Trennwand erst in neuster Zeit wieder aufgeteilt wurden, erinnern verschiedene Elemente an die frühere Funktion. Im Bereich der spätromanischen Zwillingsarkaden in der Außenfassade des Kapitelsaales darf man wohl eine kapellenartige Ausweitung vermuten, wie sie uns auch aus anderen Anlagen bekannt ist. Direkt daneben deutet die vorhandene Türöffnung die Lage des ehemaligen, gewölbten Verbindungsganges mit Fachwerkaufsatz hinüber zur Marienkapelle, der ehem. Konvent- und Krankenkapelle des Klosters, an. In ihrem Obergeschoß fand die Klosterbibliothek mit Anbindung an das Dorment darüber Platz. Der im Osten an die Infirmerie, dem heutigen ev. Pfarrhaus angebundene Baukörper wurde als letzter am Ende der regen gotischen Bauphase in Ersatz eines spätromanischen Vorgängerbaus errichtet. Leider machten es die Substanzschäden zu Beginn des 19. Jahrhunderts notwendig, das Bauwerk auf Abbruch zu verkaufen. Heute künden nur noch einige wenige Spolien von der spätgotischen Architektur. Die durch einen Glückszufall im benachbarten Hirsau erhalten gebliebene Marienkapelle vermag einen guten Eindruck von einem Bau gleichen Typs zu vermitteln.
Schon in früher Phase wurde vom Parlatorium ein Flur abgetrennt, um den Raum in der Südwestecke des Ostbaus zu erschließen. Er ist als Kamera, später als Frateria überliefert. Von der historischen Substanz des im Bodenniveau abgesenkten Raumes ist uns außer den umhüllenden Wänden lediglich das tragende Holzwerk mit einer mächtigen Holzstütze in Raummitte erhalten. Hier war bis Mitte des 20.Jahrhunderts nach Umbauten in nachmittelalterlicher Zeit die Remise des benachbarten Pfarrhauses untergebracht.
Wesentlicher Teil der spätgotischen Baumaßnahme war die Schaffung eines neuen Kreuzganges, welcher bis auf den Westbau zweigeschossig aufgestockt wurde. Auf der romanischen Grundrißkonzeption aufbauend, erhielt er in verschiedenen Bauphasen ein reich geschmücktes, engmaschiges Netzgewölbe mit besonders im Norden auffallend schönen Schlußsteinen und aufwendigen Maßwerkfenstern. Auch wenn die Einwölbung im Westen durch Einsturz ebenso wie die im ganzen Kreuzgang zu vermutende Ausmalung und Verglasung verloren gegangen sind, erlaubt der Rundgang einen guten Eindruck der spätgotischen Konzeption. Lediglich auf den Bau einer Brunnenkapelle wurde verzichtet, wodurch die Brunnenschale, deren Originalität bezweifelt wird, heute an dieser Stelle etwas verloren wirkt. Ein Rundumblick im Kreuzgarten vermittelt nicht nur einen eindrucksvollen Blick auf die durch die spätgotischen Maßnahmen bestimmte Klausur, sondern läßt auch erahnen, welch stimmungsvolle Kulisse der Kreuzgang jedes Jahr für die Alpirsbacher Kreuzgangkonzerte abgibt. Er vermittelt aber auch etwas von den geistigen Impulsen und der starken Schaffenskraft, welche hier das Gedankengut der Bursfelder Form auslöste.
Die extensive Nutzung großer Teile der Anlage seit dem 17. Jhd. führte bis in das letzte Jahrhundert hinein zu nur wenigen Veränderungen. Erst die dann einsetzenden Umnutzungen und denkmalpflegerischen Bemühungen zur Vereinheitlichung des mittelalterlichen Gesamteindruckes - mit ersten Restaurierungen, aber auch z. B. historistischen Ausmalungen und Ausstaffierungen der Kirche in zwei Phasen markieren neue Abschnitte in der Baugeschichte. Die bauliche Entwicklung fand ihr vorläufiges Ende mit den Maßnahmen in den 50er und 60er Jahren dieses Jahrhunderts, wo neben diversen funktional bedingten Umbauten, auch unter Inkaufnahme von Denkmalverlusten, versucht wurde, die Zutaten des 19. Jhd. durch einen zeittypischen Purismus zu ersetzen. Heute steht bei den Arbeiten in der ehemaligen Klausur der sichernde, konservierende Aspekt - ohne Wertung des Tradierten auf Erhaltungswürdigkeit - im Vordergrund. Neue Funktionen und Elemente werden behutsam, möglichst additiv und reversibel, in die Substanz integriert.Ziel all dieser Bemühungen ist es, die durch die Reformation weitgehend erhalten Klosteranlage Alpirsbach als mitelalterliches Reformkloster zu bewahren, um so auch nachfolgenden Generationen ein gutes Beispiel mittelalterlicher und monastischer Architektur in seiner Entwicklung von der Romanik bis zur Gotik überliefern zu können. Trotz vieler Veränderungen erlaubt die Anlage einen tiefen Einblick in den klösterlichen Organismus und die monastische Geisteswelt, deren Verständnis gerade auch für den heutigen Menschen sehr wichtig sein kann, auch wenn die ehemalige Ökonomie und die Verwaltung sowie die Umfassungsmauern nicht mehr oder nur in geringen Resten überliefert sind.
Nachdem Hirsau 1692 von den franz. Truppen zerstört und später als Steinbruch mißbraucht wurde, und St. Blasien im 18. Jhd. im zeittypischen Stil erneuert wurde, gilt Alpirsbach nunmehr als eine der besterhaltenen Klosteranlagen der Reformbenediktiner auf deutschem Boden.
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