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Kloster (Die Orgelgeschichte) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 28. November 2010 um 07:57 Uhr

Die Geschichte der OrgelN

  1. Die Orgel
    1. Die Orgel von 1912
    2. Die Orgel von 1964
    3. Die aktuelle Orgel von 2008

Die Orgel

Orgel-1836Zum ersten Mal in der Geschichte der Klosterkirche lesen wir von einer Orgel in einem Brief des jungen Ambrosius Blarer, den er in seiner frühen Klosterzeit im Jahre 1509 an seine Mutter nach Konstanz schrieb:
„Meine liebe Mutter, wir sammeln schon eine zeitlang für eine Orgel und möchten Dich mit Fleiß bitten, daß Du uns auch dazu helfen wollest. Unser würdiger Vater Abt hat gerade im Sinn, eine Kapelle zu bauen. Deshalb will er sich die Orgel nicht viel kosten lassen. Doch erhalten wir viel von den Leuten. Wir wissen aber nicht, wie viel da zusammenkommt. Wir möchten gerne etwas Rechtes machen lassen." Man darf annehmen, daß dieser Orgelbau zustande gekommen und daß dies die erste Orgel der Klosterkirche gewesen ist. über ihre Beschaffenheit wie über ihren Standort wissen wir nichts. Sie mag aber der evangelischen Gemeinde noch geraume Zeit gedient haben.
Spätestens zu Anfang des 18. Jahrhunderts muß eine neue Orgel aufgestellt worden sein. Im Jahr 1728 lesen wir in einem Kirchenkonventsprotokoll den erheiternden Satz:
„Daß weilen die neu Orgel schon etliche Jahr stehe, und nunmehro höchst-nöthig wäre, selbige reparieren und mahlen zu lassen, sintemahlen es schimpflich, dies theure Werk länger also unangestrichen zu lassen." Im folgenden Jahr fand sich ein „Mahler namens Borne, aus Sachsen gebürtig, der die Orgel zu vergülden gegen 200 Gulden verdingt worden ist."
Fraglich erscheint, ob es sich noch um dieselbe Orgel handelte, die im Jahre 1836 durch Gebr. Engelfried von Rottenburg so gründlich repariert worden ist, daß von einer neuen Orgel gesprochen werden konnte. Im Zuge der umfangreichen Renovierung der Klosterkirche wurde im Jahr 1883 diese Orgel von der Firma Weigle-Stuttgart überholt und mit einem neuen Gehäuse versehen. Sie hatte nun fünfzehn Register und war noch immer einmanualig. Obgleich sie im Gutachten eines Professors als „auf die Jahrhunderte hinaus ausreichend" (!) bezeichnet wurde, befriedigte sie auf die Dauer nicht. Sie stand in keinem Verhältnis zur Größe des Raumes und kam auch an ihrem neuen Platz auf der Empore der Südseite nicht zur Geltung.

 

Die Orgel von 1912

Orgel-1912Eine fremde Dame aus einer von Königsfeld kommenden Gesellschaft, die sich die Orgel vorführen ließ, übergab dem damaligen Stadtpfarrer Schmid im Jahr 1910 ein Zweimarkstück „als ganz kleinen Beitrag zu einem Fernwerk, dessen Wirkung in dem großen Raum von sphärischer Schönheit sein müßte." Diese Stiftung gab den Anstoß zur Gründung eines Orgelfonds. Pfarrer und Kirchengemeinderat machten es sich nicht leicht. Von verschiedenen Seiten wurden Gutachten eingeholt, bis man schließlich am 16. Februar 1912 unter Hinzuziehung des Professors und Kaiserlichen Musikdirektors A. Geßner aus Straßburg den Beschluß faßte, der Firma Weigle in Echterdingen den Bau einer neuen Orgel um 18 000 Mark in Auftrag zu geben.
Es war ein epochales Ereignis für die Stadt Alpirsbach, als diese Orgel noch im selben Jahr gebaut und schon am 1. September 1912 eingeweiht werden konnte.
Der „Schwarzwälder Bote" berichtete in breiter Ausführlichkeit von dem großen Tag und stellte sogar von seinem Bericht noch einen Sonderdruck her, wie auch der Prüfungsbericht des Kaiserlichen Musikdirektors gedruckt worden ist. Die stolze Freude über das gewaltige Werk, das als Meisterwerk der modernen deutschen Orgelbaukunst galt, ist diesen Berichten heute noch abzuspüren. Als einzigartige Seltenheit galt das Fernwerk, das schon jener unbekannten Dame aus Königsfeld vorgeschwebt hatte. „Die geheimnisvolle besondere Wirkung dieses in der Kirche nicht sichtbaren Orgelwerkes wird sowohl durch die Wahl der Register, z. B. Vox humana mit Tremolo usw. als auch durch öffnen und Schließen von Jalousien noch erhöht. Der Hörer bekommt so den Eindruck, als ob die Töne bald mehr aus der Ferne, bald aus nächster Nähe erklängen. Sprachen doch Besucher des am Weihetag der Orgel gegebenen Konzerts von dem Gesang des Kirchenchors, der auf dem Kirchenspeicher gesungen hätte — ja von dem feierlichen Gesang der ehemaligen Mönche, als die Vox humana in der von der Orgel entfernten Tonhalle ihren mysteriösen Gesang erklingen ließ." Als eigenartig wurde auch das äußere Gewand der Orgel empfunden, „welches nach einem Entwurf des Architekten Martin Elsässer in feiner künstlerischer Gestalt ausgeführt wurde und entsprechend dem romanischen Grundcharakter der Kirche und den gotischen Formen der Spitzbogen eine Mischung des romanischen und gotischen Stils darstellt."
Die Festpredigt am 1. September hielt Stadtpfarrer Schmid. Doch zum Kirchenkonzert am Nachmittag wurden neben einheimischen auch auswärtige Berühmtheiten aufgeboten. Es war von 1200 Menschen besucht und dauerte 2 1/2 Stunden, was immerhin etwas heißen will. In der „Löwenpost" wurde abends nachgefeiert, wobei geistreiche Reden gehalten wurden. Stadtschultheiß Rieker gedachte des edlen Stifters des Klosters, Adelbert von Zollern, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, dem man sich durch seine Stiftung von 2000 Mark für die Orgel noch besonders verbunden fühlte.
Wenn diesen Männer damals einer gesagt hätte, die Orgel, deren Einweihung sie gefeiert haben, werde keine fünfzig Jahre alt werden, hätten sie ihn wahrscheinlich für wahnsinnig gehalten. Und doch sollte diesem Werk die kürzeste Lebensdauer aller bisherigen Orgeln der Klosterkirche beschieden sein. Am Pfingstmontag 1961 wurde sie zum letzten Male im Gottesdienst gespielt. Am folgenden Tag, dem 23. Mai, wurde mit dem Ausbau begonnen. Zwei musizierende Engel, ehemals Schmuckstücke des Orgelgehäuses, stehen heute an bescheidenem Platz im Bruderraum als letzte Zeugen einer vergangenen Pracht.

 

Die Orgel von 1964

Orgel-1964(300x206)Nicht wenige haben damals gefragt, ob das sein mußte, zumal die Orgel, von Künstlerhand gespielt, noch immer einen gewaltigen Eindruck vermittelt hat. Doch klagten die Organisten seit Jahren und immer wieder über schädigende Einflüsse des Regens, da das Dach über der Empore trotz wiederholter Reparaturen anscheinend nicht wirklich abzudichten war. Auch war der Wurmfraß in den Holzpfeifen festzustellen. Und ausbauen mußte man die Orgel ohnehin wegen der Renovierungsarbeiten. Da legte es sich nahe, nicht mehr das alte geflickte Werk einzubauen, sondern ein neues mit einer Disposition, die dem heutigen Geschmack und Verständnis entsprach. Der Entschluß wurde dem Kirchengemeinderat einigermaßen erleichtert durch die Aussicht, daß die alten Metallpfeifen wieder Verwendung finden werden. Dazu kam, daß die Kirchengemeinde die Kosten für das neue Werk kaum zu einem Zehntel aufbringen mußte. So wurde am 28. Mai 1962 der Beschluß gefaßt, die Firma Walcker in Ludwigsburg mit dem Bau einer neuen Orgel zu beauftragen. (Der geplante Auftrag an die Firma Weigle in Echterdingen, von der die alte Orgel stammte, scheiterte an der Lieferfrist von vier Jahren und an der Auskunft dieser Firma, die alten Pfeifen könnten nicht wieder verwendet werden.) Walcker stellte eine Lieferfrist von 18 Monaten in Aussicht. Tatsächlich konnte am 1. Advent 1963 der 1. Teil, das Positiv, in Gebrauch genommen werden. Anfang Juli 1964 kam die Chororgel, das Fernwerk, dazu und am 7. Oktober wurde mit dem Einbau der Hauptorgel begonnen, die dann zum 1. Advent fertig wurde. Mit einem festlichen Gottesdienst, bei dem Landesbischof i. R. D. Haug die Predigt hielt, wurde das gesamte Werk in Dienst genommen. Eine Abendmotette, bei der Kirchenmusikdirektor Liedicke, dem die Disposition der Orgel zu danken ist, die Orgel spielte, beschloß den Festtag. Den Prospekt der Orgel hatte Hauptkonservator Dr. Supper-Eßlingen gestaltet. Wenn uns Heutigen die überschwänglichen Töne von 1912 auch nicht liegen, glauben wir doch, mit Ambrosius Blarer sagen zu können, daß wir „etwas Rechtes machen ließen".

 

Die aktuelle Orgel von 2008

Orgel-1836Anfang 1992 gab es ein Gutachten des Orgelsachverständigen Dr. Helmut über die alte Orgel mit der Empfehlung: „... als zuständiger Orgelpfleger rate ich dazu, sich mit dem Gedanken einer neuen Orgel vertraut zu machen.

Ein neues Instrument für die hoch bedeutende Alpirsbacher Klosterkirche sollte aus den besten Materialien mit der größtmöglichen Sorgfalt von einer führenden Orgelbauwerkstätte hergestellt werden.“

Die geschätzten Kosten: 1 Million DM (ca. 500 000 Euro).

Also soll die Qualität der Orgel in einem angemessenen Verhältnis zum Klangraum der Kirche stehen. In Alpirsbach schien dies nicht zu gelten; denn wie auch andernorts in den Jahren nach 1945 üblich, meinte man, beim Bau der Orgel 1964 durch Dachrinnenblech, (sich dann bald als unpräzise und äußerst störungsanfállige erweisende) Elektropneumatik, Aluminium und Kunststoffe die klassischen Orgelmaterialien ersetzen zu können. Dies war ein folgenschwerer Inftum nicht nur bezüglich der Funktionstüchtigkeit, wovon die alte Walcker-Orgel in allen Tonarten zu pfeifen wusste.

Eine Begleitung des Chores mit der Orgel war fast unmöglich, da auf der Seitenempore der Chor neben der Orgel- und nicht wie üblich vor ihr stand, infolgedessen sich beide Parteien nur schwer hören konnten. Auch die Begleitung der Gemeinde aus dem zweiten Nebenraum der Kirche erwies sich als äußerst schwierig. War doch der Einzige, den der Organist deutlich hören konnte, der Pfarrer, der über das Altarmikrofon aus dem Lautsprecher der Orgelempore sang!

Ebenso war die liturgische Verbindung von Musik und Liturgie, die sich meist in der Gegenüberstellung von Orgelempore und Altar zeigt (ein Photo von 1865 zeigt diese Einheit), durch die Renovierung der 50iger/60iger Jahre zerstört. Man hatte die Orgel gut versteckt!

Standortfrage

Infolgedessen war allen Fachleuten klar, dass die neue Orgel aus dem optischen, akustischen und baulichen Abseits befreit werden musste; so kam nach Prüfung verschiedener Möglichkeiten (Empore über dem Eingang, Schwalbennest über dem Donnent, Alternative für den Marienaltar im Norden...) und heftigen Diskussionen der heutige Standort zustande.

Nachdem KMD Prof. Volker Lutz die Beratung als Orgelsachverständiger 1999 übernahm, kam die Idee der Beweglichkeit mittels eines Luftkissens neu hinzu. Eine der zahlreichen Orgelfahrten führte deshalb in die Stadtkirche nach CH-Neuchâtel, wo wir Zeugen wurden, wie zwei Personen mühelos eine 12 Tonnen-Orgel an einen anderen Ort schweben ließen.

Vorteil des neuen Standortes ist, dass die Orgel keine Beschränkung in Raum und Höhe erfährt und ihr Klang sich nach allen Seiten frei entfalten kann. Hier wurde der Leitsatz von Hans Klotz vorbildlich umgesetzt: „Die Orgel muss in demjenigen dieser Räume stehen, der der Größte ist. Nur von da aus kann sie alle Teile der Kirche beherrschen.“

Eine für die Größe der Basilika angemessene Orgel hätte mit 45-50 Registern geplant werden müssen. Die Reduktion auf drei Manuale und 35 Register - die Vorgärıgerorgel hatte vier Manuale und 46 Register - ist durch die Fahrbarkeit und die Drehung um bis zu 90° möglich geworden; ohne Klangverlust kann die ORGEL-SKULPTUR so jeder erdenklichen Gottesdienst- und Konzertsituation gerecht werden.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 29. November 2010 um 09:17 Uhr