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Klosterkirche (Gründungsgeschichte) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 18. November 2010 um 16:55 Uhr

Die Hintergründe der Klostergründung

Die Vielzahl der Klostergründungen gegen Ende des 11. Jahrhunderts, in deren Zuge auch Alpirsbach entstand, ist vor dem Hintergrund der großen, von Cluny ausgehenden Reform des benediktinischen Mönchtums und des Investiturstreites zu sehen. Das sich in ihm manifestierende Kräftemessen zwischen weltlicher und kirchlicher Macht um die Besetzung der geistlichen Ämter war Ausdruck des Ringens um die Herrschaft im Abendland zwischen theokratisch legitimiertem Königtum und dem Autonomie und Universalität beanspruchenden Papsttum. In diesem Zusammenhang war es auch Ziel der Kirche, die Klöster aus der jeweiligen lokalen Abhängigkeit als Zentrum der Herrschaftsbildung des Adels zu befreien. Das ehemalige Eigenkloster sollte durch einen durch freie Abtswahl in seiner Selbständigkeit ausgezeichneten Konvent unter Schutz eines Vogtes abgelöst werden. So konnte durch die Vogtei der Stiferfamilie zwar noch ein gewisser Einfluß eingeräumt werden, ohne daß hierdurch Autonomie oder Besitz des Klosters in Frage gestellt worden wären.

Mit der Entweltlichung des Mönchtums sollte eine neue Verinnerlichung der monastischen Ideale möglich werden. Die Reform hatte so die Rückbesinnung auf die asketischen Ordensideale nach der benediktinischen Regel mit persönlicher Armut, Keuschheit, Gehorsam und Stillschweigen im Bewußtsein eines Lebens in der Nachfolge der Apostelgemeinschaft zur Folge. Der hohe spirituelle Anspruch des durch strenge Zucht bestimmten klösterlichen Gemeinschaftslebens mit einem durch Gebet und Liturgie bestimmten Tagesablauf, fand in einer Welt, welche durch Tendenzen zur asketischen Frömmigkeit und Weltflucht bestimmt war, Zuspruch und eine schnelle Ausbreitung.

Der Einfluß der Reform hatte auch nachhaltige Auswirkungen auf die Klosterarchitektur. Mit der Einführung des Instruments der Laienbrüder zur Arbeitsentlastung der durch den Chordienst belegten Mönche, entstanden neue räumliche Bedürfnisse, die u.a. in der Trennung beider Gruppen begründet lagen. Die gesteigerte Bedeutung des Altardienstes hatte ein vielfältiges Bauprogramm im Osten mit zunehmender Zahl von Altarstellen zur Folge. Krypten stießen jedoch auf Ablehnung. Im Bereich des östlichen Langhauses wurde in Erweiterung des Chorbereiches der sogenannte "Chorus minor" eingeführt. Er schloß gegen Westen mit der Chorschranke zur Laienkirche hin ab. Der Vorkirche kam bei den zahlreichen Prozessionen eine große, sich auch räumlich darstellende Bedeutung zu.

Die Gründungsgeschichte

Das Kloster Alpirsbach gehört zur Gruppe der Reformklöster, deren wichtigste Vertreter in der Region St. Blasien und natürlich Hirsau unter seinem Abt Wilhelm waren.

Seine Gründung ist durch eine Stiftungsurkunde auf die Zeit um 1095 belegt. Die drei Adligen Graf Alwik von Sulz, Graf Adalbert von Zollern und Ruotmann von Neckarhausen hatten nach Erbschaft des Prediums Alpirsbach diesen Besitz zur Gründung einer Klosteranlage gestiftet. Der Konstanzer Bischof Gebhard III. von Zähringen, in dessen Diözese das zukünftige Kloster lag und Abt Uto I. von St. Blasien, dessen Abtei als Mutterkloster fungierte, konnten den Verzicht auf eigenkirchliche Ansprüche, die Unterstellung unter den päpstlichen Schutz, die freie Abts- und Vogtswahl und ein unumschränktes Besitz- und Verwaltungsrecht festschreiben. Abt Cuno kam als erster Abt von St. Blasien nach Alpirsbach. Sechs Jahre später, im Jahre 1101, wurde schließlich der Besitz der Klosteranlage unter päpstlichen Schutz durch Papst Paschalis II. gestellt. Die Bestätigung durch Kaiser Heinrich V. erfolgte erst 1123 nach dem Ende des Investiturstreites.

Die Stiftung des Klosters Alpirsbach ist unter dem neuen Verständnis von Kirche und Staat zu sehen. Die Alpirsbacher Stifter gehörten der Adelsopposition gegen Heinrich IV. an und waren gegen den Herrschaftsanspruch der kaiserlichen Zentralgewalt gerichtet. Der Bischof Gebhard III. brachte als ehemaliger Hirsauer Mönch die Reformideen mit in die Gründung ein. Auch wenn Alpirsbach zunächst mehr durch seine Verbindung mit seinem Mutterkloster St. Blasien geprägt war, wurde mit der Zeit seine Verbindung nach Hirsau, welches zur Diözese Speyer gehörte, immer prägender. So wundert es nicht, daß der zweite und dritte Abt bereits aus diesem Kloster stammen. Zwischen St. Blasien und Hirsau bestanden gemeinsame politische Verflechtungen, aber vor allen Dingen eine gleiche religiöse, spirituelle Zielsetzung. Sie fanden in den von Cluny und dem piemontesischen Reformkloster Fruttuaria übernommenen Consuetudines ihren Niederschlag.

 

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