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Klosterkirche (Historische Beschreibung) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 26. November 2010 um 08:57 Uhr

Die Klosterkirche

Eine historische Beschreibung der Kirche, herausgegeben in der Osterwoche 1966 anläßlich der Einweihung der Ambrosius-Blarer-Kirche in Rötenbach

 

  1. Die Kloserkirche
    1. Fresken
    2. Hochaltar
    3. Kirchendach
    4. Decke
    5. Gestühl
    6. Kirchenheizung
    7. Beleuchtung
    8. Chorfenster

Die KlosterKirche

Daß unsere Alpirsbacher Klosterkirche dem Hl. Nikolaus, Bischof von Myra, geweiht ist, wie eine Entdeckung des Beuroner Paters Dr. Virgil Fiala vor kurzem ergeben hat, daran müssen wir uns erst gewöhnen. Immerhin erklärt dies die Figur des Heiligen an hervorragender Stelle im Schrein des Hochaltars. Tatsächlich ist seine Verehrung im Abendland in der Zeit der Gründung des hiesigen Klosters aufgekommen.

Noch weniger können wir uns den Forschungen des Benediktinermönchs verschließen, daß die Klosterkirche nicht, wie seit langem angenommen und mindestens zweimal, 1898 und 1949, festlich gefeiert wurde, im Iahr 1099 geweiht worden ist, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Der Tag ist bei dieser Entdeckung auch festgestellt worden - es war der 3. Mai - nicht aber das Iahr, so daß wir in Zukunft der Gelegenheit enthoben sind, Hundertjahrfeiern der Klosterkirche anzusetzen. Diese „Verjüngung” um ein paar Iahrzehnten tut aber der Weihe und Würde unseres vielbesuchten Münsters keinen Eintrag. Ia, diese ist durch die in den ]ahren 1956-1966 durchgeführten Erneuerungsarbeiten noch erhöht worden.

Wohl zu keiner Zeit seit dem Baujahrhundert sind auf diese Kirche so viel Kosten und Mühen verwendet worden wie in den Jahren 1956-1966. Schon 1934 hat Regierungsbaumeister Prof. Seytter-Stuttgart auf Ersuchen des Landesamts für Denkmalpflege und des Vereins für christliche Kunst ein Gutachten über durchgreifende Änderungen der Form und Stellung des Altars und der Kanzel vorgelegt. Die Zeitumstände verhinderten, daß dem Vorhaben näher getreten wurde.

Nach dem Krieg, im Jahre 1951,fing man damit an, die Fresken in der Sakristei durch Restaurator Hammer-Ulm freilegen und sichern zu lassen. Es kam ein Leben-]esu-Zyklus mit 14 Bildern zum Vorschein, von denen freilich nur weniges zu erkennen ist.

Im Iahr 1955 wurde die Restaurierung des Hochaltars demselben Meister in Auftrag gegeben. Die fehlenden Figuren im Gesprenge und in der Predella konnten freilich nicht ersetzt werden. Dort, wo dies geschah, im Gesprenge links der Gottesmutter, steht nun anstelle des Apostels Petrus nicht sehr glücklich eine weitere Maria. Doch zeigt ein Vergleich mit dem früheren Zustand, wie sehr das Kunstwerk eines unbekannten Meisters zu Beginn des 16. Iahrhunderts gewonnen hat. Es bildet heute wieder das kostbarste Ausstattungsstück der Klosterkirche.

Von seinem angestammten Platz im Chor wurde der Altar allerdings entfernt und in das nördliche Querschiff gestellt. Man wollte den Unterteil des Chorabschlusses, die romanischen Absiden, besser zur Geltung bringen und nicht „den gotischen Chor durch den gotischen Altar noch gotischer machen." So einigte man sich nach manchem Für und Wider auf den Platz im nördlichen Querhaus, wohin der Altar im Iahre 1856 schon einmal für mehrere Iahrzehnte versetzt worden war. Zu diesem Zweck mußte das nördliche Querschiff erst erneuert, d. h. von der stilwidrigen Bemalung der Wandflächen und Fensterleibungen befreit werden. Im Zusammenhang damit wurde 1957 im Chorraum etwas voreilig ein neuer Altar aus einem Stück Sandstein aufgestellt, der nie benutzt dort stand, bis er durch einen noch neueren ersetzt worden ist.

Man war sich weitgehend einig, daß mit der Beseitigung der Zutaten des letzten Iahrhunderts, des Altars und der Kanzel, und mit der Versetzung des Hochaltars die Zweiteilung des Kirchenraumes - hier Kirche, dort Museum - aufgehoben und die Einbeziehung des gesamten Raumes in den Gottesdienst angestrebt werden sollte. Diesem unserem Wunsch kam auch die Absicht der Denkmalpflege entgegen, die Seitenschiffe von jeder Bestuhlung frei zu halten. Vieler Erprobung bedurfte es, für Altar und Kanzel die richtige Stellung ausfindig zu machen. Man hat sich zu allem reichlich Zeit gelassen. In dem Maße, als sich Schwierigkeiten einstellten und die Ansichten auseinander gingen, zogen sich die Erneuerungsarbeiten fühlbar in die Länge, oder es wurden andere, weniger problematische Aufgaben eingeschoben, wie im Iahr 1958 die Erneuerung des ganzen Kirchendaches.

Die im letzten Iahrhundert eingezogene Decke mit ihrer neugotíschen Bemalung dachte man zuerst zu belassen und nur abzulaugen, obwohl sie zu tief lag und beinahe die Bögen der Vierung berührte. Von dem Ergebnis war man jedoch nicht befriedigt. So wurde im Frühjahr 1959 beschlossen, die Kassettendecke abzunehmen und die alte Balkendecke freizulegen. Damit war ein bedeutender Schritt zur Wiederherstellung des Raumes in den ursprünglichen Maßen getan. Auch versprach man sich von dieser Lösung in akustischer Hinsicht eine Verbesserung.

Das Gestühl war bei der Renovation des letzten Iahrhunderts den alten romanischen Bänken nachgebildet worden. Es stand auf einem verhältnismäßig hohen Holzpodest, so daß die wuchtigen Bänke den Durchblick durch den Kirchenraum einigermaßen blockierten. Das wurde von den fremden Besuchern mehr empfunden als von den Einheimischen, denen es längst vertraut war. Von Anfang an stand für die Denkmalpflege fest, daß auch das Gestühl durch ein neues ersetzt werden sollte. Zunächst war für das Mittelschiff wieder an ein festes, nur weniger aufdringliches, leichtes Gestühl gedacht, dazu eine lose Bestuhlung für das Querschiff. Später machte die Denkmalpflege geltend, daß „ein loses Gestühl dem Kirchenraum allein angemessen ist." So kam man von den Bänken ab, gegen den Wunsch der Kirchengemeinde, die sich ihre Kirche nicht mit lauter Stühlen vorstellen mochte. Doch das hatte um so weniger zu besagen, als der Staat die Kosten für die Bestuhlung übernehmen wollte. Die neuen Stühle, nach einem Entwurf von Prof. Eiermann gefertigt, wurden am 21. ]u1i1962 zur Aufführung des „Messias“ zum ersten Male aufgestellt. Längst hat sich die Gemeinde damit abgefunden, um so mehr als sich bequem darauf sitzen läßt. Die fremden Besucher finden die Stühle allermeist würdig und schön.

Das Hauptinteresse der Kirchengemeinde an den Erneuerungsarbeiten galt ohne Zweifel dem Einbau einer Kirchenheizung. Schon im Iahr 1911 trug der Kirchengemeinderat anläßlich einer Visitation dem Dekan den Wunsch vor, die Kirche möge mit einer Heizung versehen werden. Man glaubte, das sei Aufgabe des Staates als des Eigentümers der Kirche. Doch die Staatl. Finanzverwaltung lehnte ab, da dem Staat nur die subsidiäre, d. h. aushilfsweise Unterhaltungspflicht der Klosterkirche zukomme. Man gab sich damit nicht zufrieden und wollte „im Notfall die Einrichtung einer Kirchenheizung auf Staatskosten im Prozeßweg durchsetzen". Der Oberamtsarzt bestätigte bereitwillig die Gesundheitsgefährlichkeit der ungeheizten Kirche. Aber der Rechtsanwalt, den die Kirchengemeinde zu Rate zog, neigte dazu, dem Staat Recht zu geben. Darüber brach der Krieg aus. Am 28. August 1914 beschloß der Kirchengemeinderat, die Kirchenheizung bis nach Friedensschluß zurückzustellen.

Es wurde 1932, bis man wieder auf die Heizung kam. Stadtpfarrer Schmid, der zwanzig Jahre zuvor die Sache so tatkräftig betrieben hatte, erbot sich im Ruhestand noch einmal, ein Rechtsgutachten auszuarbeiten mit dem Ziel, den Staat zur Einrichtung der Kirchenheizung zu verpflichten. Doch hielt es der Kirchengemeinderat im Jahr 1933 für geraten, vom Rechtsweg abzusehen. Nachdem man sich hatte beraten lassen, wollte man nun den Einbau einer Niederdruckdampffußbankheizung ernstlich betreiben. Die Kosten dachte man je zu einem Drittel auf Staat, Landeskirche und Gemeinde zu verteilen. Allein diese Heizung sollte an einem Sonntag vierzehn Zentner Kohlen verschlingen. Jetzt erlaubte die finanzielle Lage der Gemeinde einen solchen Aufwand nicht. So nahm man wieder davon Abstand und steuerte auf die „Winterkirche” zu. Denn man sagte sich: „Ist im Münster Gottesdienst im Winter, so ist im Gegensatz zum Sommer der Besuch erschreckend gering, was bei einer Kälte von -7° C nicht zu verwundern ist. Ist im geheizten Kapitelsaal Gottesdienst, dann drängen sich die Menschen, daß nicht selten Ohnmächtige hinausgetragen werden müssen." Also erweiterte man 1937 den Kapitelsaal zur Winterkirche.

Mit der nach dem Krieg bzw. der Währungsreform vom Staat durchgeführten umfassenden Renovierung wollte man endlich die seit vier Jahrzehnten geplante Heizung einbauen. Da aber die Technik mittlerweile fortgeschritten war, mußte man mit der Planung wieder von vorne beginnen. Zuerst sprach man von einer elektrischen Strahlungsheizung durch von der Decke abgehängten Infrarot-Strahlern. Dann von einer Bankstrahlungsheizung. Dann von einer Bodenspeicherheizung. Als man schon die kostspielige Verstärkung der Stromleitung vorgenommen hatte, empfahl sich zuletzt eine Warmluft-Umlauf-Ölheizung. Am 21. September 1961 wurde diese beschlossen und der Firma Pfau in Erbach in Auftrag gegeben. Am 8. Januar 1962 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Zum Sommer wurde die Heizung fertig und am 14. Oktober 1962 - ein halbes Jahrhundert nach der ersten Planung - zum ersten Mal im Gottesdienst in Betrieb genommen.

Daß die Heizungsanlage eine nicht unbedeutende und in die Augen fallende Verkürzung des Kapitelsaals mit sich brachte, ließ sich nicht vermeiden. Wir können froh sein, daß die Denkmalpflege keinen Einspruch dagegen erhoben hat. Daß die zuvor in Aussicht gestellte Temperatur nicht erreicht wird, ist eine Enttäuschung für uns gewesen. Aber unter der Voraussetzung, daß die Außentemperatur nicht sehr tief sinkt, und wir den Ofen am Samstag frühzeitig anlaufen lassen, und daß der komplizierte Mechanismus nicht gestört ist, erreichen wir doch eine Erwärmung des Raumes, die es ermöglicht, daß die Gottesdienste nun auch im Winter in der Kirche gehalten und von den meisten Menschen ohne Gefahr besucht werden können. Dafür wollen wir wirklich dankbar sein. Es bleibt nur zu hoffen, daß der Kirchengemeinde allezeit die Mittel zu dem nicht billigen Betrieb der Heizung zur Verfügung stehen werden.

Die erste elektrische Lampe brannte in der Klosterkirche auf der Orgel im Jahre 1909. Dabei blieb es für längere Zeit. In den Abendgottesdiensten, namentlich in den Kriegsbetstunden, wurde die mangelnde Beleuchtung besonders unangenehm empfunden. „Die beiden Altarkerzen und die Lampe auf der Orgel erhellten den Kirchenraum nicht, so daß ein Gesang nur durch Auswahl und Vorsagen ganz bekannter Lieder möglich war". So wurde ein Fonds gegründet aus den Opfern der Kriegsbetstunden für die elektrische Beleuchtung, der dann freilich der Inflation zum Opfer fiel. Erst 1924 wurden auch im Kirchenschiff noch weitere Lampen eingerichtet, die für fast vierzig Jahre die Beleuchtung bildeten. Sie war noch immer ärmlich genug und verlangte dringend eine bessere Lösung. Diese ist in einer alle Ansprüche befriedigenden Weise gelungen und anläßlich einer „Woche der Besinnung” zu den abendlichen Gottesdiensten am 21. Mai 1962 in Dienst gestellt worden.

Die Chorfenster. Noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war in einer Beschreibung des Klosters zu lesen: „Die herrlichen Glasgemälde wurden mutwillig zerstört. lm mittleren Fenster des gotischen Hauptchors sind noch einige Bruchstücke eingesetzt, darstellend Simson, wie er die Tore von Gaza aushebt, ferner die Evangelistensymbole Adler und Stier mit Büchern. Sie stammen dem Stil nach aus der Zeit der Erbauung dieses Chores (1400).” Diese Bruchstücke blieben dort, bis sie durch das neue Chorfenster ersetzt wurden, und sind dann nach Stuttgart ins Landesmuseum gebracht worden, wo sie heute noch zu sehen sind.

Zum Jubiläum des Jahres 1898 erbot sich der von hier gebürtige Fabrikant Ludwig Trick aus Kehl, „aus Anhänglíchkeit an die hiesige Kirche” ein gemaltes Chorfenster zu stiften. Es war jedoch nicht möglich, das Fenster zum Jubiläum, das am 28. August 1898 gefeiert wurde, fertigzustellen. Erst im Iahr 1900 konnte es eingesetzt werden. Die Gemeinde liebte dieses Fenster, das in leuchtenden bunten Farben die Weihnachtsgeschichte darstellte, und hat sich in sechs Jahrzehnten daran nicht satt gesehen. Daß es im Zuge der Erneuerung der Klosterkirche herausgenommen werden sollte, haben viele Gemeindeglieder aufs lebhafteste bedauert. Dem Kirchengemeinderat war es eine Beruhigung, daß die Nachkommen von Ludwig Trick Verständnis dafür bewiesen, daß auch eine Stiftung der Vergänglichkeit und dem Geschmack der Zeit unterliegt und keinen ewigen Wert beansprucht. Das tut unserem dankbaren Andenken an den edlen Stifter und seine um unsere Klosterkirche noch durch andere Stiftungen verdiente alte Alpirsbacher Familie keinen Eintrag.

Nachdem der Vorschlag von Professor Weber angenommen war, auf dem Altar der Plattform in der Apsis unmittelbar vor den Fenstern den von ihm geschaffenen Kruzifixus aufzustellen, stand fest, daß die neuen Fenster nicht mehr mit figürlichen Darstellungen versehen werden können. Es wurde ein namhafter Kunstglaser damit beauftragt, Entwürfe für die 3 Chorfenster auszuarbeiten. Unter den vorgelegten Arbeiten wurde die reifste ausgewählt, die auch von den zuständigen staatlichen Stellen als die beste bezeichnet wurde. Die alten Fenster wurden Ende September 1963 ausgebaut. Als aber dann im November der Kruzifixus aufgestellt worden war, hieß es zu unserer nicht geringen Enttäuschung, daß farbige Fenster sich als Hintergrund für diesen überhaupt nicht eignen und die Verglasung durch farblose, matte Scheiben geschehen müsse. Die Monate Dezember und Januar über blieben die Fenster offen - die Gemeinde wird diese Zeit nicht leicht vergessen - bis im Februar die neuen matten und kalten Scheiben eingesetzt worden sind. Dazuhin wurde das mittlere Fenster mit einem Vorhang versehen, der wohl für den Kruzifixus die richtige Beleuchtung ergab, aber im ganzen doch recht unbefriedigend wirkte, bei den Fremden Ablehnung und bei den Einheimischen wehmütige Erinnerung an das alte Fenster hervorrief.

Auf unser Betreiben wurde deshalb bald der Kunstglaser Emil Kies mit dem Entwurf farbiger Fenster beauftragt. Nachdem diese neuen Entwürfe das ganze Jahr 1965 einen mühsamen Instanzenweg durchlaufen mußten, steht in diesem Jahr ihrem Einbau nichts mehr im Wege.

Als Aufgabe für die Zukunft bleibt uns noch ein neues Fenster im Chorabschluß des südlichen Seitenschiffes, der Sulzer Kapelle. Dann könnte von einem Abschluß der Erneuerung der Klosterkirche gesprochen werden.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 28. November 2010 um 08:32 Uhr