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Kloster (Die Orgel-Skulptur) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 28. November 2010 um 16:03 Uhr

Orgelskulptur Das Klangkonzept

ist keiner bestimmten Schule, einer Stilkopie oder einem „von-Allem-etwas-Prinzip" unterworfen, sondern aus den räumlichen und musikalischen Vorgaben erwachsen. Die beiden ersten Manuale sind mit ihrem silbrigen Klang eher für die Darstellung der barocken sprich Bach'schen Werke gut geeignet, wohingegen das dritte Manual Elemente der deutschen und französischen Romantik einbringt, die das Instrument auch für die Darstellung romantischer und neuer Musik verschiedenster Richtungen geeignet machen. Insgesamt bleibt die Orgel dennoch ein in sich schlüssiges Ganzes, das vornehmlich den Stempel „made by Winterhalter" trägt.
Dass ein dreimanualiges Instrument auf einer Grundfläche von nur 4x4 Metern in einer derartigen Konzentration gedacht und funktional umgesetzt werden kann, und durch ihre bildhauerische Gestaltung - unterstützt von der Lichtwirkung - leicht und schlank bleibt, ist einzigartig. Dem Orgelbaumeister Claudius Winterhalter, dem Bildhauer Armin Göhringer, dem Werkstattleiter Christian Kroll, dem Intonateur Alois Schwingshandl und allen anderen Meistern ihres Faches sowie allen Förderern des Projektes sei von Herzen Dank gesagt.

Soli Deo Gloria!
Ulrich Weissert
Kantor und Organist der Klosterkirche Alpirsbach (2008)

 

Bewegungs-Skizze der OrgelDas außergewöhnliche Design und die Fahrbarkeit auf einem Luftkissen machen sie zu einer einzigartigen Orgel. Mit einer Höhe von ca. 11 Metern, einer Grundfläche von ca. 4x4 m und einem Gewicht von 16 Tonnen steht sie im Südflügel der Vierung. Von dort kann sie dann in die Mitte gefahren und gedreht werden.

Zur Klanggestalt der Orgel

.... „sie wird frei stehen und muss deshalb als von allen Seiten sichtbare „Orgelplastik" gestaltet werden" - dieser im Text der Ausschreibung enthaltenen Erwartung hat der Entwurf von Winterhalter/Göhringer am besten entsprochen. Die äußere Gestalt hat sich seit dem ersten Entwurf weiter entwickelt, wurde einfacher, konzentriert aufs Wesentliche.

Ähnlich ging es mit der Klanggestalt der Orgel. Entsprechend dem eigenständigen Äußeren sollte auch eine eigenständige und unverwechselbare Klanglichkeit gefunden werden, die drei wichtige Kriterien erfüllt: Im gottesdienstlichen Bereich eine breite Palette von Klangfarben und -stärken für die Gemeindebegleitung und für liturgische Musik, sei sie improvisiert oder komponiert.

Im Literaturbereich (natürlich) gute Voraussetzungen für die Wiedergabe des Bach'schen Orgelschaffens und ebenso gute Eignung für Orgelliteratur von der Romantik bis zur Gegenwart.

Von der ursprünglich gedachten „normalen" dreimanualigen Anlage kamen wir im Verlauf der Planung - Stichworte Konzentration, Beschränkung aufs Wesentliche - zum jetzt realisierten Konzept, das auch den engen räumlichen Gegebenheiten der schlanken Orgelskulptur Rechnung trägt. In süddeutscher Tradition haben wir ein groß besetztes Hauptwerk. Sein auf der offenen Flaut major 16' basierender Principalchor gibt gravitätische Kraft und Klangfülle, die durch die Mixturen Brillanz und Strahlkraft erhält. Daneben bieten Flöten und Streicher in 8'- und 4' Lage vielfältige Mischungsmöglichkeiten, die frech aus dem Prospekt herausragende Alpflöte singt intensive Soli, die Aliquotregister Quinte und Terz erweitern die Farbpalette für Solo-und Plenoregistrierungen. Die Trompete schließlich gibt dem Plenum feurigen Glanz und ist auch hervorragend solistisch einsetzbar.

Orgelskulptur2(300x457)Aus diesem mit 15 Registern reichen Klangfundus sind auf dem zweiten Manual 9 Register als Wechselregister spielbar. So können die vielseitigen Farbmöglichkeiten noch intensiver genutzt werden, können Einzelregister wie Registermischungen miteinander duettieren. Durch die Besetzung mit zwei Mixturen ist auch die Gegenüberstellung zweier klassisch geprägter Plena „Hauptwerk - Positiv" möglich.

Das vom dritten Manual angespielte Schwellwerk ist der romantische Teil der Orgel, der von der geheimnisvoll schwebenden Vox coelestis, der Himmelsstimme, bis zur kraftvoll schmetternden Trompette und ihrer Oktavstimme Clairon eine große dynamische und farbliche Bandbreite bietet. Delikat klingen die überblasenden Stimmen von Traversflöte und Flageolet, und die enger mensurierten Principale mit ihrer färbenden Klangkrone Cornett bilden ein nochmals anderes, sich von den klassischen Plena der beiden unteren Manuale abhebendes Plenum.

Ganz eigene räumliche Wirkungen lassen sich mit den beiden stufenlos zu schließenden Schwellwänden erzielen, denn zu den üblichen Jalousien, die die Vorderwand des Schwellkastens öffnen oder verschließen, kommen hier noch Jalousien im Dach. Beide sind unabhängig voneinander oder auch gemeinsam einzusetzen.

Das Pedalwerk ist schon aus Platzgründen sehr ökonomisch angelegt. Es reicht mit dem Untersatz 32' bis an die menschliche Hörgrenze hinunter und bietet den vielfältigen Registrierungen der Manuale jeweils angemessenes Bassfundament. Die streichend klingenden Register Contrabass und Violonbass sorgen für gute Zeichnung, die Trompete und vor allem die Posaune für klangvolle Soli und satte Fundamentierung auch des vollen und raumfüllenden Gesamtklangs der Orgel.

Zu den normalen Koppeln, mit denen sich die Manuale untereinander und ans Pedal koppeln lassen, kommt mit der Subkoppel eine weitere hinzu, die speziell die romantischen Möglichkeiten der Orgel nochmals deutlich erweitert sowohl in Farbschattierungen wie im kraftvoll-dunklen Plenoklang. Wollte man diese Orgel stilistisch einordnen, könnte man sie am ehesten als eine Orgel spätbarocker-frühromantischer Prägung bezeichnen, die Deutsch spricht mit deutlichem süddeutschem und auch gut hörbarem französischem Akzent.

Eine eigene, auch eigenwillige Persönlichkeit also, an der es immer wieder

neue Facetten zu entdecken geben wird!

Der Weg zu dieser Orgel war streckenweise mühsam, auch - manchmal unnötigerweise - steinig.

Ich danke allen, die unermüdlich und positiv dazu beigetragen haben, dass wir zu einem letztlich so überzeugenden Ergebnis kommen konnten.

KMD Prof. Volker Lutz

Orgelsachverständiger des Evang. Oberkirchenrats

Disposition

Volker Lutz, Claudius Winterhalter, Ulrich Weissert

I. Hauptwerk II. Solo III. Schwellwerk Pedal
1. Flaut major l6' 16. Viola* 8' 25. Quintaton 16' 37. Untersatz 32'
2. Principal 8' 17. Rohrflöte* 8' 26. Geigenprinzipal 8' 38. Contrabass 16'
3. Alpflöte 8' 18. Fugara* 4' 27. Doppelgedeckt 8' 39. Subbass 16'
4. Viola 8' 19. Flöte* 4' 28. Gamba 8' 40. Octavbass 8'
5. Rohrflöte 8' 20. Nasard* 2 2/3' 29. Vox coelestis 8' 41. Violonbass 8'
6. Octave 4' 21. Superoctave* 2' 30. Principal 4' 42. Bassoctave 4'
7. Flöte 4' 22. Waldnöte* 2' 31. Traversflöte 4' 43. Posaune 16'
8. Fugara 4' 23. Terz* 1 3/5' 32. Flageolet 2' 44. Trompete 8'
9. Nasard 2 2/3' 24. Mixtur minor 3f.* 1' 33. Cornett 3f.
10. Superoctave 2' 34. Trompette 8'
11. Waldflöte 2' 35. Oboe 8'
12. Terz 1 3/5' 36. Clairon 4'
13. Mixtur major 4f. 2' Tremulant
14. Mixtur minor 3f. 1'
15. Trompete 8'

* Wechselregister aus Hauptwerk

Manuale C - a'" - Pedal C - f - Tremulant HW und Solo Koppeln II-I, III-I, III-II, Sub III-I, I-P, II-P, III-P, Super III-P Balanciertritte für Front- und Dachschweller, elektron. Setzeranlage

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. Dezember 2010 um 09:23 Uhr