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Gemeindereise ins Burgund PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 19. November 2010 um 10:53 Uhr

Auf dem Weg zu den Wurzeln unseres Klosters

Eine Beschreibung der Gemeindereise ins Burgund


Reisegruppe nach Burgund 2010

Das kühle Frühlingswetter hinter sich lassend, brach am Morgen des 31. Mai eine rund 30-köpfige Reisegruppe auf, um die sakralen Sehenswürdigkeiten Burgunds kennen zu lernen. Erstes Ziel war die typisch französische Stadt Beaune mit dem eindrucksvollen "Hotel Dieu". Diese private Wohltätigkeitsstiftung des Kanzlers von Burgund aus dem Jahre 1452 wurde noch bis 1971 als Kranken- und Armenhaus genutzt.

Am zweiten Tag bereiste die Gemeindegruppe den Süden Burgunds. Besichtigt wurde unter anderem die Prioratskirche "Sacre-Coer" in Paray-le-Monial. Die doppeltürmige benediktinische Abteikirche ist eine der besterhaltenen und berühmtesten Kirchen Burgunds und repräsentiert in hervorragender Weise den cluniazensischen Baustil. Einige Kilometer weiter, in Berzé-la-Ville, bestaunten die Reisenden die ausdrucksstarken romanischen Fresken in der "Chapelle-des-Moines". Das Christusbild in der Mandorla erinnerte die Betrachter sehr an die entsprechende Darstellung in der Apsis der Alpirsbacher Klosterkirche. Höhepunkt des Tages war die Besichtigung von Cluny und seiner historischen Klosteranlage. Von 927 bis 1156 wurde das mächtige Benediktinerkloster von 5 einflussreichen Äbten regiert, die zugleich auch Freunde und Ratgeber von Königen, Kaisern und Päpsten waren. In diese Zeit fällt auch die Gründung unseres Klosters in Alpirsbach, das mit Hirsau zum cluniazensischen Verbund gehörte. Die romanische Abteikirche von Cluny war bis zum Bau von "St. Peter" in Rom der größte Kirchenbau der Christenheit, mit einem 5-schiffigen Langhaus von 187m Länge und einem Gewölbe mit 30m Höhe. Leider ist von diesen großartigen Gebäuden fast nichts mehr erhalten, fielen sie doch der Französischen Revolution zum Opfer. Damals wurde die Abtei aufgehoben, die Kirche gesprengt und als Steinbruch verkauft. Sehr freundlich und charmant war der Empfang durch den Bürgermeister von Cluny in Rahmen einer kleinen Feier. Ein stilechtes Abendessen in einem gemütlichen kleinen Restaurant in den Gassen der Altstadt schloss den anstrengenden Tag ab.

Am 3. Reisetag erlebten die Reisenden zunächst eine beeindruckende Frühandacht in "Taizé". Es erinnerte an Pfingsten, wie junge Leute aus verschiedensten Ländern zusammenkommen, um einmütig für den Frieden in der Welt zu beten. Überaus beeindruckt reiste man weiter nach Tournus. Gegründet von den Römern, ist dort die Grablege des Hl. Valerian, über der 875 ein Benediktinerkloster errichtet wurde. Seine mächtige Abteikirche aus dem Jahre 1019 ist mit ihrem Quertonnengewölbe eine architektonische Besonderheit. Tagesziel war die Stadt Vezelay im Nordwesten Burgunds, wo man im landestypischen Hotel "Au Lion d`Or" bestens untergebracht war.

Der 4. Reisetag führte die Gruppe nach Fontenay. Die dortige Zisterzienserabtei wurde 1118 von Bernhard von Claivaux gegründet. Sie ist die älteste noch erhaltene Klosteranlage im Stil der Zisterzienser und gehört zusammen mit dem Kloster Maulbronn zum Unesco-Weltkulturerbe. Eine umfassende Führung brachte den Besuchern die Glaubenswelt der Zisterzienser und ihre genügsame Lebensweise nahe. Durch Disziplin und große handwerkliche und landwirtschaftliche Fähigkeiten brachte es das Kloster zu Einfluss und Wohlstand, bis es durch die französische Krone einverleibt und später während der Revolution aufgelöst wurde. Als Fabrikgebäude missbraucht, ist die Wiederherstellung der einstigen Klosteranlage privater Initiative zu verdanken. Der Nachmittag gehörte der Wallfahrtsstadt Vezelay. Als vielbesuchter Wallfahrtsort hatte die Abtei von Vezelay im politischen Geschehen Europas im Mittelalter eine bedeutende Stellung. Hier rief Bernhard von Clairvaux zum 2. Kreuzzug auf, hier trafen sich König Philipp und Richard Löwenherz zum 3. Kreuzzug nach Jerusalem. Ein französischer Jakobsweg beginnt hier. Absolute Attraktion von Vezelay ist die im 12. Jahrhundert erbaute Basilika "Ste. Marie-Madelaine", ein sakraler Bau von einmaliger Schönheit und Harmonie (Unesco-Weltkulturerbe). Die erhabene Atmosphäre des Innenraumes ist mit Worten kaum zu beschreiben. Und wenn dann die jungen Schwestern und Brüder der "Fédération-monastique-Jerusalem" den Raum mit mehrstimmiger sakraler Vokalmusik füllen, dann verschmelzen Raum und Gesang zu einem großen Ganzen.

Der Rückreisetag begann wie immer früh, wollte man doch noch die Zisterzienser-abtei von Citeaux besuchen. Die absolute Kargheit der Mittagsandacht war jedoch nach allem bisher gesehenen recht gewöhnungsbedürftig. Nach einer kleinen Stärkung trat man dann vollgepackt mit Eindrücken die Heimreise an. Sehr müde, tief beeindruckt und in bester Stimmung (und mit der Sommersonne im Gepäck!) endete die Studienreise vor dem Alpirsbacher Kloster, das man nun mit neuen Augen wahrnahm. Es war eine gelungene Reise zu den Fundamenten unseres Glaubenslebens, bei der auch das gesellige Beisammensein und das "Savoir vivre" nicht zu kurz kamen. Herzlicher Dank gebührt allen Beteiligten, vom stets freundlichen Busfahrer bis zu unserem Pfarrer Horst Schmelzle, der mit Herz und Verstand ein exzellenter Reiseführer war.

A. Kohler

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 09:16 Uhr
 

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