ALPIRSBACHER ORGELMATINEEN

Orgelfrühling und Orgelherbst

Der diesjährige Orgelfrühling und Orgelherbst wird mit ausgefallenen Klangkombinationen eröffnet. Am Sonntag, 17. Mai treten Alphorn und Mundharmonika mit der Orgel in Dialog. Mit dieser ungewöhnlichen Kammermusikbesetzung sind nicht nur vermutete volkstümliche Weisen zu hören, sondern auch barocke und zeitgenössische Kompositionen sowie Werke und Improvisationen mit gregorianischen Chorälen. Der Orgelherbst am Sonntag,13. September zeigt ebenfalls Experimentierfreude. Ralph Stövesandt gastiert mit seiner Singenden Säge und seiner E-Säge zum ersten Mal in  Alpirsbach. Mit Kantorin Carmen Jauch spielt Sägenspieler Stövesandt Klassiker aus Barock und Romantik sowie bekannte Hits aus der Filmmusik. Weitere Orgelmatineen mit renommierten Organisten und Orgel plus Akkordeon oder plus Klarinette versprechen spannende und kurzweilige Programme in der Klosterkirche.

 

KLOSTERKONZERTE

Passionskonzert am Karsamstag, 11. April um 18 Uhr

Die Kantate "Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir" ist eine der allerfrühesten Kantaten-kompositionen von Johann Sebastian Bach. Mit dem altliturgischen Busspsalm wandte sich Bach einem der meistvertonten Texte der christlichen Tradition zu. Bachs Violinkonzert a-Moll ist wohl eines der bekanntesten Solokonzerte überhaupt. "Die Schönheit des Andante (…) ist so groß, dass man ernstlich nicht mehr weiß, wie man sich hinsetzen und verhalten soll, um des Anhörens würdig zu sein. Sie bleibt einem lange im Sinn, und man wundert sich beim Hinaustreten auf die Straße, dass der Himmel nicht blauer ist und der Parthenon nicht aus der Erde emporwächst." (Claude Debussy). Als Vivaldi  von der Kirche in Brescia einen Auftrag erhält, zum Fest der Schmerzen Mariens ein Stabat Mater zu komponieren, erfindet er sich sozusagen neu: sein erstes geistliches Werk ist überraschend schlicht. Die Musik ist jedoch sehr innig und ergreifend.

 

Klangsteine – eine Begegnung mit dem ewigen Gedächtnis der Erde am Samstag, 4. Juli um 20.30 Uhr

Stein ist lebendige Materie. Sie ist eine Musik der Erde, das in Klang geformte Gedächtnis dieser Materie, jenseits aller Spekulation oder Verklärung. Sie wird oft als Musik voller Geheimnisse bezeichnet, denn sie ist schwerelos, jenseits der Zeit, hat ihre eigene Kraft und Wirkung und ist keiner Kultur zugehörig. Wenn Prof. Feßmann seine speziell gefrästen Steine mit den Händen in Schwingung versetzt, verlieren sie alle Starrheit, pulsieren im Raum und wecken das Gedächtnis der Erde. Die steinerne Polyphonie lässt schwebende Klangwolken vorüberziehen, archaisch und neu zugleich. Es ist eine Musik, die Spieler wie Hörer geradezu physisch erfasst. In der Klosternacht erklingen die Klangsteine im Zusammenspiel von Kirchenraum, Instrumenten, Stimmen und Licht.

Lichtinstallationen sorgen für ansprechende Impressionen, die Alpirsbacher Orgelskulptur und die Alpirsbacher Kantorei gestalten das Klang-Raum-Licht-Erlebnis mit und treten mit den Klangsteinen in Zwiesprache. Das Ensemble Laetare mit Hackbrett, Violoncello, Stimme und Klangsteinen verbindet die außergewöhnliche Klanglichkeit der Steine mit den alten Melodien der Gregorianik und eröffnet neue Klang- und Erfahrungsräume, die nicht nur das Ohr erreichen, sondern auch Herz und Seele berühren.

 Das Projekt, das Konzept und die Aufgaben von Laetare (lat.: „Freue Dich“) ist das Erinnern. Es ist ein Wiederanknüpfen an altes Wissen, altes Können, an die uralten Klänge.  Der Laetare-Klang öffnet sich in eine andere Dimension des kammermusikalischen Musizierens. Neue Klanglinien werden gewebt, neue Farben entstehen, neue Räume werden geöffnet. Es entsteht eine eigene, faszinierende Musik, eine Musik der Sphären.

 

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem in d-Moll, Sonntag, 8. November um 17 Uhr

Das Requiem in d-Moll KV 626 gilt als eine der berühmtesten Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart. Unzählige Male wurde es seit seiner Entstehung aufgeführt, auch begleitete das Werk Persönlichkeiten wie Chopin, Beethoven oder Napoleon zur letzten Ruhe. Wie ein Besessener arbeitete der bereits schwer kranke Mozart im Sommer 1791 an seinem eigenen Requiem. Am 5. Dezember 1791 starb er mit nur 35 Jahren - mitten in der Arbeit an seiner Totenmesse. Das Requiem trägt alle Emotionen in sich, die den Menschen angesichts des Todes ereilen: Angst, Wut, Verzweiflung Traurigkeit, Hoffnung, Trost. Zum Auftakt des Abends ist das bekannte Adagio in g-Moll von Tomaso Albinoni zu hören und  das Pater noster des lettischen Komponisten Peteris Vasks (*1946). „Musik ist im Baltikum kein intellektuelles Spiel, sondern eine große geistige Konzentration. Ich denke, dass unsere Zivilisation in eine falsche Richtung geht. Es gibt viel zu viel Materialismus, zu wenig Geist. Das Wichtigste ist doch unsere Seele, unser Körper und Geist, das alles zusammen." (Peteris Vasks)

 

Weihnachtskonzert: Musikalische Kostbarkeiten zwischen Barock und Klassik

Eine musikalische Rarität von Mozart´s Vater Leopold erklingt im Weihnachtskonzert: „Sinfonia Pastorella“  -  ein Konzert für Alphorn und Orchester. Vermutlich 1755 in Salzburg komponiert hat Leopold Mozart das Stück für Aufführungen in der Weihnachtszeit geschrieben. Wohlgefällig ist die Musik der Kantaten von Gottfried August Homilius, liedhaft fließend und  immer den jeweiligen Textinhalt musikalisch illustrierend. Homilius zählte zum unmittelbaren Schülerkreis von Johann Sebastian Bach. Er war Organist an der Dresdner Frauenkirche und bis zu seinem Tod  Kreuzkantor und Musikdirektor an den drei Hauptkirchen Dresdens.1776 wurde Homilius als der „wohl jetzt ausgemacht beste Kirchenkomponist“ bezeichnet.